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Erinnerst du dich noch an die Sonntagnachmittage der 90er oder frühen 2000er? Das Wort „Langeweile“ war damals kein Schimpfwort, sondern ein Dauerzustand. Man starrte Löcher in die Luft, wartete darauf, dass das Modem die Verbindung zum Internet endlich aufgebaut hatte (während die Mutter im Hintergrund schrie, dass sie telefonieren muss), oder blätterte zum zehnten Mal den gleichen Katalog durch.
Heute ist Langeweile quasi ausgestorben – oder zumindest wurde sie durch den „Infinite Scroll“ ersetzt. Doch wie hat sich unser Zeitvertreib eigentlich im Detail verändert? Machen wir eine kleine Zeitreise durch das Wohnzimmer unserer Erinnerung.
Vom TV-Diktat zur totalen Auswahl
Früher war unser Abendprogramm eine Gemeinschaftsleistung der Fernsehzeitung und des Schicksals. Wenn „Wetten, dass..?“ lief, schaute ganz Deutschland zu, weil es schlichtweg nichts anderes gab. Wir haben uns nach der Schule vor den Röhrenfernseher geklemmt und gehofft, dass die Lieblingsserie nicht wegen einer Sondersendung ausfällt.
Heute schauen wir, was wir wollen, wann wir wollen und wo wir wollen. Streaming-Dienste haben uns zwar die Freiheit geschenkt, aber auch den „Entscheidungsstress“ gebracht. Wir verbringen manchmal 45 Minuten damit, einen Film auszusuchen, nur um dann doch wieder bei einer Doku hängenzubleiben, die wir schon dreimal gesehen haben. Das gemeinschaftliche „Hast du das gestern auch gesehen?“ am nächsten Morgen im Büro oder auf dem Pausenhof ist einem vorsichtigen „Bist du schon bei Staffel 4? Nein? Okay, ich sag nichts!“ gewichen.
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Die Evolution des Spielens: Vom Gameboy zum High-End-Entertainment
Wer früher zocken wollte, brauchte Batterien – und zwar viele. Der graue Klotz namens Gameboy war der treue Begleiter jeder Autofahrt in den Urlaub. Später kamen die ersten Konsolen, bei denen man noch kräftig in die Kassetten pusten musste, damit das Spiel überhaupt startete. Zeitvertreib hieß damals: Pixelhaufen bändigen.
Heute ist die Gaming-Welt gigantisch. Wir tauchen in fotorealistische Welten ab oder vertreiben uns die Wartezeit beim Arzt mit Apps auf dem Smartphone. Dabei hat sich auch das Genre-Spektrum massiv erweitert. Während man früher vielleicht mal eine Runde Solitär am PC gewagt hat, sind heute sogar klassische Casino Spiele, Pokerräume oder komplexe Strategie Simulationen nur noch einen Klick entfernt. Der Nervenkitzel von damals (hielt die Batterie noch bis zum nächsten Speicherpunkt?) hat sich gewandelt in eine Welt, in der Unterhaltung rund um die Uhr verfügbar ist – egal ob klassisch, sportlich oder mit einem Hauch von Las Vegas-Feeling auf dem Sofa.
Draußen war das echte Social Media
„Kommst du raus?“ – Dieser Satz war die wichtigste Push-Benachrichtigung unserer Jugend. Man klingelte auf gut Glück bei Freunden an der Haustür. Wenn keiner da war, zog man weiter zum nächsten Haus oder zum Marktplatz. Zeitvertreib hieß: Mit dem Fahrrad ziellos durch die Gegend fahren, im Wald Buden bauen oder stundenlang auf der Mauer sitzen und über Gott und die Welt quatschen.
Heute treffen wir uns oft digital. Eine WhatsApp-Gruppe ersetzt das Klingeln an der Tür, und ein Like ersetzt das anerkennende Nicken beim Skaten. Es ist zwar effizienter, aber die Spontaneität von früher fehlt ein bisschen. Damals wusste man nicht, was der Nachmittag bringt – heute ist alles durchgetaktet und per Standort-Pin dokumentiert.
Das Ende der Vorfreude?
Vielleicht ist das der größte Unterschied: Die Verfügbarkeit. Früher mussten wir auf Dinge warten. Auf das nächste Lied im Radio, das man mit der Kassette aufnehmen wollte. Auf die Fotos aus dem Drogeriemarkt, die erst nach einer Woche entwickelt waren. Dieser erzwungene Zeitvertreib – das Warten – hatte etwas Meditatives.
Heute haben wir alles sofort. Die Welt passt in unsere Hosentasche. Das ist fantastisch und bequem, aber manchmal sehnen wir uns doch nach der Zeit zurück, in der ein leerer Nachmittag nicht durch Benachrichtigungen unterbrochen wurde, sondern einfach nur… leer war. Und das war völlig okay.













