Die Geschichte des Game Boys
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Die Geschichte des Game Boys: Wie wir spielten, bevor es Smartphones gab

Der Gameboy hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt und gilt heute zurecht als absolutes Kult-Objekt der 90er Jahre.

Viele Dinge aus den 1990er Jahren sind heute noch beliebt, doch wahrer 90er KULT ist nur ein Spielzeug: Der Game Boy! 

Die tragbare Videospielkonsole hat bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. In der Welt der Computerspiele und Spielekonsolen sind 27 Jahre mehr als eine halbe Ewigkeit. Und doch besitzt der 1989 erstmals auf den Markt gekommene Game Boy bis heute eine nur schwer zu erklärende Magie.

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Schon der Anblick der ersten erfolgreichen tragbaren Spielekonsole dürfte bei den allermeisten Kindern der 90er nicht nur schöne Erinnerungen wach rufen, sondern auch das Bedürfnis wecken, noch einmal in die Welt von Super Mario, Donkey-Kong und Zelda einzutauchen. Objektiv ist das allerdings nur schwer zu erklären.

Der Game Boy ist keineswegs zeitlos, sondern technisch heute hoffnungslos veraltet. Er besaß einen Speicher von 8 KB und eine Grafik mit 160 × 144 Pixeln. Bunte Bilder gab es lange Zeit auch nicht zu sehen – bis zur Einführung des Game Boy Color bestand das Bild lediglich aus vier unterschiedlichen Grautönen.

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Würde man einem Kind heute einen alten Game Boy unter den Weihnachtsbaum legen, würde es seinen Eltern wohl nicht ganz zu Unrecht den Vogel zeigen. Die Wahrscheinlichkeit wäre aber hoch, dass der Vater über die Weihnachtsfeiertage noch einmal eine Reise in die eigene Jugend absolvieren würde.

1989 in Japan, 1990 in Deutschland: Der erste Game Boy

Wie so oft mussten die Spielefreunde in Europa dabei am längsten auf die neue Technologie warten. Denn Nintendo brachte den Game Boy zunächst am 21. April 1989 auf dem Heimatmarkt in Japan in die Geschäfte.

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Damals dürften allerdings die wenigsten geahnt haben, was für eine Erfolgsgeschichte an diesem Tag begann. Denn viele Fachleute kritisierten den simplen Schwarzweiß-Bildschirm und die niedrige Leistungsfähigkeit des Geräts. Sie gingen davon aus, dass digitale Spiele stattdessen eher auf einer leistungsfähigeren Konsole oder dem Computer gespielt würden. Doch der Game Boy strafte alle seine Kritiker Lügen und wurde bis heute mehr als 118 Millionen Mal verkauft.

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Am 28. September 1990 war es dann auch im kurz darauf wiedervereinigten Deutschland soweit und der Game Boy kam auch hier in die Läden unseres Vertrauens. Schon bald wurde der Game Boy dann auch bei Kindern in Deutschland zu einem Statussymbol. Ich allerdings musste lange darauf verzichten, weil meine Eltern der Meinung waren, ich sollte lieber draußen spielen.

Dann allerdings schien die Rettung nahe: Ich sollte an den Mandeln operiert werden und bekam im Gegenzug für tapferes Verhalten den heiß begehrten Game Boy versprochen. Als sich die OP dann doch als nicht notwendig erwies, weinte ich bittere Tränen – bis ich dann doch meinen geliebten Game Boy bekam.

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Spieleklassiker: Von Tetris bis zu Zelda und Donkey-Kong

Der Game Boy war dabei kein Smartphone. Er war nicht wirklich smart und ließ sich schon gar nicht mit dem Internet verbinden. Für heutige Kinder wahrscheinlich unvorstellbar: Die einzelnen Geräte ließen sich nur mit Hilfe eines Kabels miteinander in Verbindung setzen. Trotzdem war der Game Boy nie ein Spielzeug für Einzelgänger, sondern immer fester Teil der Community.
Man unterhielt sich über geschaffte Levels und zeigte seinen Freunden neu gekaufte Spiele. Spielte man doch einmal alleine zu Hause und wusste nicht weiter, griff man zum Telefonhörer und fragte bei den Kumpels um Rat. Einfach mal schnell googlen – das war damals nicht möglich. Und trotzdem haben wir die allermeisten Spiele irgendwann doch bis zum Ende durchgespielt.

Eine bemerkenswerte Ausnahme gab es dabei allerdings – was daran lag, dass es sich um ein Endlosspiel handelte. Denn der Game Boy sorgte auch für ein so nicht für möglich gehaltenes Comeback eines Spieleklassikers. Zu Beginn konnte der Spielkamerad für unterwegs nämlich nur zusammen mit dem Spiel Tetris gekauft werden. Der Erfolg des Game Boys trug so seinen Teil dazu bei, dass Tetris zum meistverkauften Computerspiel aller Zeiten wurde.

Schon bald kamen dann aber all die legendären Spiele auf den Markt, deren Namen noch heute bei Kindern der 90er für leuchtende Augen sorgen: Super Mario, Donkey-Kong, Zelda, Metroid und später die vielleicht erfolgreichste Spieleserie für den Game Boy überhaupt: Pokemon.

Die Steuerung blieb bei allen Modellen gleich

Es spricht dabei für den Game Boy, dass er eine solche Reihe an simplen und doch hochkomplexen Spielen hervorgebracht hat. Denn die Steuerung des Geräts war alles andere als ausgefeilt: Es gab im Wesentlichen die A und die B Taste sowie ein Steuerkreuz.

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Hinzu kamen noch die Tasten Select und Start, die für die Kontrolle über die Spielfigur aber in der Regel ohne Bedeutung waren. Auch die von den Spielen kreierten Welten blieben notgedrungen eher simpel. Zum einen aus grafischen Gründen, zum anderen aber auch aufgrund der noch nicht so fortgeschrittenen Technik. Die Gegner agierten anhand vorgegebener Muster – die Entwicklung der KI steckte noch in ihren Kinderschuhen. Zum Leben erweckt wurden diese vergleichsweise simplen Welten dann durch die eigene Phantasie.

Klein und handlich: Der Game Boy Pocket

Am grundlegenden Spielprinzip des Game Boys hat Nintendo daher auch bis zuletzt nichts geändert. Sämtliche Game Boy Spiele können mit den vier Tasten und dem Steuerkreuz gespielt werden. Allerdings wurde die etwas klobige Originalvariante des Game Boys im Laufe der Zeit weiterentwickelt.

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Bereits 1996 kam der Game Boy Pocket auf den Markt. Dieser war schmaler und leichter als das Original und besaß einen etwas besseren Bildschirm. Dafür kam er aber auch mit einem nicht zu verachtenden Nachteil daher: Für die Pocketversion wurden die etwas kleineren AAA-Batterien benötigt. Diese waren aber deutlich teurer als die normalen Batterien. Eine Zeit lang ging daher ein Großteil meines Taschengelds für Game Boy Batterien drauf. Dann kaufte mein Bruder wiederaufladbare Batterien und legte die Kosten so auf die heimische Stromrechnung um.

Nur in Japan erhältlich: Der Game Boy Light

Mein Bruder und ich waren allerdings offensichtlich nicht die einzigen mit diesem Problem. Denn schon ein Jahr später brachte Nintendo den Game Boy Light auf den Markt.

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Dieser ähnelte sehr dem Pocket, war allerdings etwas größer und besaß einen stärkeren Kontrast auf dem Bildschirm. Vor allem funktionierte er aber mit normalen AA-Batterien. Mir half das allerdings nichts, denn der Game Boy Light wurde ausschließlich in Japan vertrieben. Eine Tatsache, die heute vielleicht bedeutungslos erscheint, damals aber ziemliche Relevanz besaß: Einfach im Internet zu bestellen war damals noch etwas für Spezialisten – Ebay und Amazon waren gerade erst gegründet wurden.

Game Boy auf dem Fernseher: Der Super Game Boy

Wer die Welten der Game Boy Spiele in Farbe sehen wollte, konnte dafür bereits ab 1994 auf eine technische Lösung setzen. Der so genannte Super Game Boy war ein Aufsteckmodul für die Spielkonsole Super Nintendo Entertainment System (SNES). Damit war es möglich auch normale Game Boy Spiele auf dem Fernseher zu spielen.

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Dort wurden die Grautöne dann in Farben umgewandelt – allerdings auf höchst rudimentärer Basis. Mit der elitären Grafik heutiger Computerspiele hatte das alles nichts zu tun. Theoretisch konnte man die Spiele auf der SNES allerdings etwas schneller durchspielen als auf dem klassischen Game Boy. Denn der Super Game Boy besaß eine etwas bessere Hardware und spielte die Spiele etwa 2,4 Prozent schneller ab. Der Super Game Boy 2 kam 1998 dann allerdings schon nur noch in Japan auf den Markt.

 

 

Erstmals mit Farbe: Der Game Boy Color

Dafür konnten wir ab 1998 auch unterwegs die Spiele endlich in Farbe genießen, denn der Game Boy Color kam auf den Markt. Dieser konnte sogar die alten grauen Spiele mit Farbtönen versehen. Dabei wurden jeder der vier Graustufen jeweils eine Farbe – Schwarz, Rot, Blau oder Gelb – zugeordnet.

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Diese simple Methode funktionierte überraschend gut, jedenfalls für unsere damalige Erwartungshaltung. Für heutige Kinderaugen dürften die Spiele hingegen aussehen wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Dabei konnte die Colorversion theoretisch sogar noch viel mehr. Bei Spielen, die direkt für den Game Boy Color programmiert wurden, ließen sich bis zu 56 Farben gleichzeitig darstellen. Das klingt wie eine überragende Entwicklung: Von vier Graustufen hin zu 56 Farben. Fanden wir damals auch. Einige Computerbildschirme lassen sich heute allerdings noch auf 56 Farben herunterskalieren – eine Auswahl, die die wenigsten dauerhaft treffen dürften.

Alle Game Boy Modelle blieben untereinander kompatibel

Bei allen Neuerungen der verschiedenen Game Boy Varianten achtete Nintendo aber immer darauf, dass die Geräte untereinander kompatibel blieben. So veränderte sich zwar der Eingang für das benötigte Link-Kabel, das Unternehmen lieferte aber immer einen kostenlosen Adapter mit. Der heute so moderne Community-Gedanke wurde also schon damals gelebt.

(Top left to right): The Original Game Boy 1989, Game Boy Pocket 1996, Game Boy Light (Japan release only) 1997, Game Boy Color 1998.(Bottom Left to right): Game Boy Advance 2001, Game Boy SP 2003, And last but not least the Game Boy Micro 2005. (It came out after the DS so not many people knew it was created.)

Auch die Spiele konnten in der Regel problemlos auf allen Varianten des Game Boys gespielt werden. Besitzer der Originalvariante konnten als problemlos mit jemandem Spiele austauschen, der den Game Boy Color besaß. Das sorgte dafür, dass wir Game Boy Besitzer zu einer großen Gemeinschaft wurden, in der keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen gemacht wurden. Einige schworen bis zuletzt auf das klobige Original, während ich zumeist – trotz der kleinen Batterien – auf den Game Boy Pocket zurückgriff.

Die Spiele waren simpel und doch komplex

Worin lag aber nun der große Erfolg des Game Boy begründet? Vermutlich hat Nintendo damals einfach den Nerv der Zeit getroffen. Heute, wo jeder sein eigenes Smartphone besitzt, kann man sich das wahrscheinlich kaum noch vorstellen, aber damals waren tragbare Computerspiele etwas ganz besonderes. Hinzu kommt die geniale Mischung aus Einfachheit und Komplexität. Die Steuerung der Spiele war intuitiv verständlich, beinahe jedes Spiel konnte einfach drauf los gespielt werden.

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Und doch besaßen viele Spiele einen erstaunlichen Tiefgang, der einen schon einmal an das Gerät fesseln konnte. Oftmals allerdings auch notgedrungen, denn viele Spiele besaßen schlicht keine Speicherfunktion. Dennoch waren wir keine klassischen Nerds damals. Wir zockten nicht im Internet gegen anonyme Gegner, sondern trafen uns ganz normal auf dem Schulhof, im Freibad oder zum Fußball spielen. Das Thema Game Boy durfte dabei aber nie fehlen. Entweder hatten wir ihn im Rucksack ohnehin dabei, um den Kumpels irgendetwas neu entdecktes zu zeigen. Oder früher oder später brachte jemand das Thema im Gespräch auf und erzählte von neu erreichten Levels und neu gekauften Spielen.

Interessanter Randaspekt dabei: Während unsere Eltern und Großeltern sich noch vor dem Aufstieg Japans zu einer führenden Exportnationen fürchteten, waren wir einfach nur froh, dass Nintendo uns den Game Boy gebracht hatte. Und seien wir mal ehrlich: Bei aller deutschen Ingenieurskunst, wäre der Game Boy hierzulande so wohl nie entwickelt worden – zu wenig komplex ist die Steuerung und das Design.

Technische Neuentwicklungen: Der Game Boy Advance und der Game Boy Micro

Schon in den 2000ern brachte Nintendo dann mit dem Game Boy Advance und dem Game Boy Micro noch zwei weitere Modelle auf den Markt. Diese basierten technisch aber nicht mehr auf dem Original, sondern waren faktisch eher Super Nintendo Entertainment Systeme im Mini-Format.

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Beim Game Boy Micro brach Nintendo dann auch endgültig mit der Abwärtskompatibilität – die ganz alten Spiele funktionierten darauf nicht mehr. Vielleicht auch deshalb wurde diese Variante zu einem ziemlichen Verkaufsflop. Bei der Markteinführung 2005 war allerdings auch längst eine andere Zeit angebrochen. Wir alle hatten bereits Handys in der Tasche und spielten dort bei Bedarf das Kultspiel Snake. Zwei Jahre später sollte zudem das iPhone auf den Markt kommen und die Welt der tragbaren Technologiegeräte von Grund auf revolutionieren.

Der Game Boy besitzt bis heute Kultstatus

Doch viele Fans haben dem Game Boy bis heute die Treue gehalten. Alte Geräte finden im Internet noch immer Abnehmer und erzielen dabei beachtliche Preise. Ausgerechnet der Verkaufsflop Game Boy Micro ist dabei am wertvollsten und kann noch immer fast zum Originalpreis verkauft werden.

Auch fast alle Spieleklassiker werden im Netz noch rege gehandelt. Bei vielen Kindern der 90er scheint noch immer von Zeit zu Zeit das Bedürfnis aufzukommen, in die Spielwelten ihrer Jugend einzutauchen. Dabei werden auch die neuen technischen Möglichkeiten genutzt: So finden sich bei Youtube zahlreiche Videos von Game Boy Spielen. Dabei wurde Youtube selbst erst im Jahr 2005 gegründet und ist damit 16 Jahre älter als der Game Boy. In den 90ern wurden Videos noch mit großen Kameras aufgenommen und dann per Videokassette ausgetauscht.

Die Legacy des Game Boys

Für die verschiedenen Varianten des Game Boys und auch für einige Spiele gibt es zudem aufwendig gepflegte und liebevoll gestaltete Webseiten und Online-Magazine im Netz. Dort werden alte Anleitungen gepostet, Erfahrungen ausgetauscht und Tipps gegeben, wie man die Spiele heute auch auf modernen Geräten zum laufen bekommt. Auf vielen dieser Seiten ist es gelungen, die unzähligen kleinen Mikrokosmen, die in den 90ern existierten, zu vernetzen und in die Online-Welt zu bringen.

Und letztlich lebt der Geist des Game Boys auch in vielen vermeintlich neuen Spielen weiter: Auch viele Smartphonespiele und Browsergames setzen heutzutage auf die geniale Mischung aus intuitiver Steuerung, simpler Grafik und doch anspruchsvollem Inhalt. Ganz zu schweigen davon, dass viele derjenigen, die heute Videospiele zocken oder Spielekonsolen besitzen, ihre Spielekarriere natürlich mit dem Game Boy begonnen haben.

 

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