Telefon 70er
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Klingeling: Erinnerungen an die Telefon-Steinzeit

Wenn wir heute telefonieren wollen, greifen wir einfach in unsere Hosentasche und ziehen das Smartphone heraus. Ganz einfach und unkompliziert. Manchmal streiken diese Geräte aber auch – zum Beispiel, wenn der Akku leer ist oder wenn gerade dann ein Update erforderlich ist. Und wenn wir dann ausnahmsweise mal unser Festnetztelefon benutzen, regen wir uns darüber auf, dass wir die Nummern per Hand eingeben müssen. Wie in der Steinzeit, oder?

Dabei sah die Telefon-Steinzeit ganz anders aus. Die älteren Leser erinnern sich vielleicht noch an die Telefone, die wir in den 70er Jahren benutzt haben. Die mit der Wählscheibe. So wie dieses hier:

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Qual ohne Wahlwiederholung

Wer es nicht kennt: Bei diesem Wählscheibentelefon steckte man den Finger nach und nach in die Löcher und wählte so die Nummer des Empfängers. Zahl für Zahl. Das konnte schon ein bisschen dauern. Dabei wurde die Nummer nicht per Ton übertragen, sondern per Impulsverfahren. Das funktionierte tatsächlich, war aber eine Qual, wenn man es eilig hatte oder eine lange Nummer wählen musste. Und eine Wahlwiederholung gab es nicht. Es musste immer wieder aufs Neue gewählt werden.

Die meisten Wählscheibentelefone in den 70er Jahren waren grau. Es gab aber auch farbige Alternativen. Damals wurden die Telefone nicht gekauft, sondern von der Post gemietet. Wer grüne oder orangefarbene Geräte wollte, musste draufzahlen – das galt auch für die total modernen Tastentelefone wie dieses hier:

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Tonsignale aus vorsintflutlicher Zeit

Wer sich fragt, wie diese Steinzeit-Telefone sich angehört haben: genau so!

Um das hauseigene Telefon aufzumotzen, gab es spezielle Bezüge – ungefähr so wie heutige Smartphone-Cover. Na gut, vielleicht nicht ganz so.

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Und das war nicht die einzige Möglichkeit, das Wählscheibentelefon aufzupimpen. Besonders angesagt waren auch solche Telefonregister – schließlich konnte man nichts einspeichern und musste die Nummern immer parat haben.

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Frag die Auskunft

Wenn man eine Telefonnummer von einer bestimmten Person oder Einrichtung benötigte, rief man damals die Auskunft an. Am anderen Ende der Leitung saßen nette junge Damen, die alle Fragen diesbezüglich beantworten konnten. Ganz einfach war das aber nicht, vor allem, wenn man weder Adresse, noch Vornamen des Gesuchten wusste. Und das war noch nicht alles, was die Post in den 70ern zu bieten hatte: Auf Wunsch rief eine echte Person zu einer bestimmten Zeit an und fungierte so als Wecker! Und dann gab es da noch die Zeitansage…

Telefonnummern und Adressen fanden sich zu dieser Zeit wo? Natürlich in Telefonbüchern und den „Gelben Seiten“. Praktisch waren sie ja, aber wie viel Papier für diese dicken Wälzer draufging… Damals hatte die Post übrigens das Monopol, was Telefone und Co. anging. Das Netz war ebenso unkaputtbar wie die Geräte selbst. Wer aber ein Telefon aus dem Ausland orderte und bei sich anschloss, machte sich strafbar – was viele Menschen aber nicht davon abhielt, solche tollen Telefone zu benutzen:

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Was die Kosten für das Telefonieren anging, waren Gespräche innerorts vergleichsweise günstig. Teuer waren dagegen die berüchtigten Ferngespräche, also alles, was über die Ortsgrenzen hinausging. Um die Kosten in Grenzen zu halten, gab es aber den „Mondscheintarif“, der Telefongespräche in den Abendstunden günstiger machte. Besonders Eltern pubertierender Töchter wussten damals, wie teuer Liebeskummer werden konnte… Das war aber noch gar nichts gegen die Auslandsgespräche: Hier konnten die Kosten schnell in den dreistelligen Bereich steigen, wenn man nicht aufpasste. Nicht umsonst stand in Telefonzellen die Warnung „Fass dich kurz!“ Und wo wir gerade bei Telefonzellen sind…

Warum es in Telefonzellen nicht immer schön war…

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Auch wenn die Zellen selbst wuchtig, robust und unzerstörbar waren, galt dies leider nicht für die darin enthaltenen Telefone. Die waren ständig kaputt. Zum Beispiel, weil jemand das Kabel durchgeschnitten hatte. Darüber hinaus waren die Telefonzellen von innen meist total verdreckt. Zigarettenkippen, Taschentücher und Co. waren Standard, was das anging. Und die Telefonbücher, die eigentlich in den Zellen enthalten sein sollten, wurden fast immer entwendet. Aber selbst wenn alles funktionierte und man auch noch genug Kleingeld dabei hatte, hieß das nicht, dass man wirklich telefonieren konnte: Wenn eine Labertasche die Telefonzelle blockierte, war alles verloren. Die robusten Telefonzellen wurden zudem nicht selten zweckentfremdet: Man konnte sich darin aufwärmen oder mit der Freundin knutschen. Und sogar ganze Filme wurden in den legendären gelben Zellen gedreht:

Es war nicht immer ein Vergnügen, in einer Telefonzelle zu stehen. Üble Gerüche nach Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten mischten sich mit Zigarettengeruch, Schweiß und anderen angenehmen Geruchsnoten. Die Post bemühte sich zwar, die Telefonzellen zu reinigen und verschimmeltes Brot und Obst zu entfernen, kam damit aber meist nicht hinterher.

Ab den 1990er Jahren gab es dann kein Monopol mehr, und zahlreiche unterschiedliche Anbieter und Tarife überschwemmten den Markt. Das Wählscheiben-Telefon wich moderneren und kompakteren Geräten, und als das Internet immer weiter verbreitet wurde, wurden auch Telefonbücher überflüssig. Und heute? Wir telefonieren ohne Kabel immer und überall, und das oftmals zu geringen Gebühren oder sogar kostenfrei. Erinnern werden wir uns aber immer an Wählscheiben, Telefonzellen und teure Ferngespräche, die ein Teil unserer Kindheit und Jugend waren.


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