C64: Darum ist der "Brotkasten" eine Traummaschine!
Foto: Mikael Hjerpe/Shutterstock.com

C64: Darum ist der „Brotkasten“ eine Traummaschine!

Eine Firma bringt gerade den legendären C64 neu in die Läden. Wir verstehen warum!

Auf den ersten Blick war der C64 nur ein großer grauer Kasten. Und doch schälten wir das klobige Ding mit vor Aufregung zitternden Händen aus der Styroporhülle. Der C64 war der Grund für schlaflose Nächte und unbändige Vorfreude, und zwar aus einem simplen Grund.

Wenn wir heute einen PC kaufen, dann erwarten wir Leistung. Wir wollen damit arbeiten, Filme streamen, Mails schreiben. PCs haben einen sehr praktischen Nutzen. Der C64 dagegen war im schönsten Sinne nutzlos. Sein einziger Zweck bestand darin, uns zum Träumen zu bringen, uns staunen zu lassen: Über Computerspiele, die man von einer handelsüblichen Kassette abspielen kann; über den Effekt simpler BASIC-Programmierbefehle, die dafür sorgte, dass plötzlich ein Heißluftballon von links nach rechts über den Bildschirm schwebte.

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Die einfachen Befehlsketten von BASIC sind immerhin der Grund dafür, dass die „Generation C64“ auch heute noch höchsten Respekt vor IT-Gurus hat. Denn schon in kleinen Blöcken Programmiersprache konnten winzige Zeichensetzungsfehler alles kaputt machen. Eine Klammer zu wenig – schon hieß es: „Syntax Error“! Nichts ging mehr. Das war manchmal frustrierend.

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Das einfache Glück fand sich stattdessen in Spielen wie „Gyruss“ oder – für Fortgeschrittene – „Winter Games“ und „Summer Games“. Zwar hatte man meistens nur wild mit dem Joystick (was für ein Wort!) rumgewackelt, aber manchmal stand man am Ende auf dem Siegertreppchen – warum gerade bei dieser Runde, wusste man gar nicht so genau.

Für diejenigen Spieler, die’s wirklich wissen wollten, gab es auch noch „Premium“-Versionen des schnöden Joysticks, aufgemotzt mit zahlreichen „Funktionsknöpfen“. Wofür die da waren, wusste man als Gamer normalerweise nicht – der Spaß bestand eher darin, sinnlos und möglichst schnell hintereinander auch wirklich alle Knöpfe zu drücken.

joystick

Damals konnte ein pickliger Teenager allein ein Spiel programmieren. So trieb die Spielekultur schnell auch seltsame Blüten. Dazu gehörte zum Beispiel ein „Strip Poker“-Game. Angesichts der kantigen Grafik aus heutiger Sicht nicht gerade ein Hingucker, aber damals revolutionär explizit und aufregend für die Jungs in ihren schlecht gelüfteten Kinderzimmern!

Und was hat das alles gebracht? Gar nichts! Keine Kalkulation für das Meeting am nächsten Morgen, keine abgearbeiteten Mail-Postfächer. Einfach nur eine Menge Spaß. Heutzutage hat man irgendwie immer ein schlechtes Gewissen, wenn man etwas am Rechner macht, das nicht zweckdienlich ist. Denn man sollte doch eigentlich arbeiten, oder?

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Der Zauber des C64 bestand darin, uns in eine völlig andere Welt zu entführen, die nicht vom Alltag und seinen langweiligen Anforderungen bestimmt war. Kein Wunder, dass diese Traummaschine einen solchen Siegeszug angetreten hat. Und dass sie heute eine Renaissance feiert: seit März 2018 gibt’s die Neuauflage des C64 in den Handel. Für 80 EUR gibt es passenderweise 64 vorinstallierte Games, darunter auch Klassiker wie „California Games“. Technisch ist aber nicht alles retro, denn die Kiste wird per HDMI-Kabel mit dem Fernseher verbunden. Außerdem ist der C64 Mini nur halb so groß wie sein 1980er-Pendant.

Schreib uns in den Kommentaren: Welche Erinnerungen hast du an endlos lange Nachmittage und Nächte vor dem C64? Was hast du gespielt?

 

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